In der Schweiz zählen KMU über 99 Prozent aller Unternehmen und stellen zwei Drittel aller Arbeitsplätze. Veränderungen im digitalen Marktplatz-Umfeld wie der Börsengang der Swiss Marketplace Group Holding AG (SMG) betreffen daher nicht nur die grossen Player, sondern direkt das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft.
Am 19. September 2025 wagte SMG den Sprung an die SIX Swiss Exchange. Der Ausgabepreis wurde am oberen Ende der Preisspanne mit CHF 46 pro Aktie festgesetzt, was einer Marktkapitalisierung von rund 4.5 Milliarden Franken entspricht. Damit zählt SMG ab dem ersten Handelstag zu den Schwergewichten der Schweizer Digitalwirtschaft. Für KMU eröffnet der Börsengang neue Möglichkeiten, bringt aber auch eine wachsende Abhängigkeit von einem einzigen Plattform-Giganten.
SMG ist die Dachgesellschaft hinter einigen der bekanntesten Schweizer Plattformen: ImmoScout24, Homegate, AutoScout24, Ricardo, tutti.ch, anibis.ch und weiteren digitalen Angeboten im Bereich Immobilien, Fahrzeuge und Kleinanzeigen. Millionen von Nutzern sind täglich aktiv, und für unzählige KMU – Makler, Garagisten, Händler und Dienstleister – sind diese Plattformen wichtige Vertriebskanäle.
Mit dem Kapital aus dem Börsengang erhält SMG neue Möglichkeiten:
So gross die Chancen durch den Börsengang auch sind – die Konzentration von Marktmacht in den Händen weniger Plattformen birgt Risiken. Wenn ein einzelner Konzern wie SMG über mehrere zentrale Vertriebskanäle verfügt, kann dies langfristig Innovation und Wettbewerb hemmen. Preise und Konditionen werden dann nicht mehr vom Markt, sondern von einem dominanten Anbieter bestimmt. Für KMU heisst das: Trotz Kapitalzufluss von SMG gilt es, wachsam zu bleiben und einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden.
Mit dem Zusammenschluss von Plattformen wie Homegate, ImmoScout24, AutoScout24 und Ricardo nimmt SMG eine sehr starke Marktstellung im Schweizer Online-Markt ein. Für KMU bringt das Reichweite, führt aber auch zu einer zunehmenden Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Preisstrukturen und Konditionen werden zentral vorgegeben – Alternativen sind in vielen Bereichen begrenzt.
Auch die Wettbewerbskommission (WEKO) hat im September 2025 eine Vorprüfung zur Marktstellung von SMG im Immobiliensektor gestartet. Ergebnisse liegen noch keine vor; die Abklärungen befinden sich in einem frühen, informellen Stadium. Damit ist das Thema auch offiziell auf dem Radar der Wettbewerbshüter.
Für KMU bedeutet dies: Plattformen wie SMG sind wichtig, aber nicht ausreichend. Wer seine digitale Sichtbarkeit absichern will, baut auf mehrere Standbeine – von Branchenverzeichnissen über Presseportale bis hin zu Suchmaschinenoptimierung. Unabhängige Plattformen wie HELP.ch und die angeschlossenen Fachmedien bieten Unternehmen die Möglichkeit, auch ausserhalb grosser Marktplätze gefunden zu werden.
Der Börsengang von SMG ist ein Signal für die Stärke der Schweizer Online-Wirtschaft. Für KMU ergeben sich daraus Chancen auf bessere Reichweite und neue Services, aber auch die Notwendigkeit, ihre eigene digitale Strategie breiter abzustützen. Wer nicht ausschliesslich auf einen Player vertraut, bleibt flexibel – und profitiert am meisten von der Dynamik im digitalen Markt.